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Vanille

 

Es ist Nacht und kalt. Meine Finger sind steifgefroren. Kalt und stürmisch pfeift der Wind durch die Häuser hindurch. Es ist dunkel an dieser Stelle. Die dreckige Straßenlaterne hinter mir vermag nur noch wenig Licht zu spenden, so dass mein Schatten die Sicht auf das Schlüsseloch verwehrt. Umständlich fingere ich den eisig kalten Schlüssel ins Schlüsselloch hinein.

Nur wenige Minuten später streife ich meine Schuhe ab. Auch meine Füße scheinen fast erfroren zu sein. Meine Tasche lasse ich auf den Boden gleiten, mit der rechten Hand drücke ich den Startknopf des Anrufbeantworters, mit der linken versuche ich kurz die Post durchzublättern. Noch immer habe ich kein Gefühl in den Fingerspitzen.

Kurzentschlossen öffne ich die Türe zum Badezimmer, das mich mit warmer, wohliger Luft empfängt. Ich drücke den Stöpsel in den Ablauf und drehe den Wasserhahn voll auf. Nach ein paar Sekunden schon läuft sprudelndes, heisses Wasser in die Badewanne. So heiss, dass ich erschrocken die Hand aus dem Wasser ziehe.
Ich öffne ein Fläschchen mit nach Vanille duftendem Badefluid und lasse es behutsam ins einfließende Wasser träufeln. Sofort bildet sich weißer Schaum am Wannenboden und zarter Vanilleduft verteilt sich im Raum.

Vorsichtig streife ich meine Jeans von den Beinen, um ja nicht mit meinen kalten Händen andere Hautstellen zu berühren. Es gelingt nicht. Ich zucke zusammen, als meine kalten Finger auf die warmen Oberschenkel treffen.
Ein seltsames Gefühl, wenn Finger, Hände, Füße, Beine und Gesicht mitsamt Ohren eiskalt gefroren sind und die Wärme im Raum genießen, hingegen Arme, Bauch, Brust, Rücken und Po normale Körpertermperatur haben und sofort zu frösteln beginnen, als ich alle Kleidung abgelegt habe.
Ich kenne das schon. Während ich auf dem Wannenrand sitze und warte bis genug Wasser eingelaufen ist, um eintauchen zu können, lege ich langsam meine kalte Hand auf einen Oberschenkel. Sofort zieht sich in mir alles zusammen, die berührte Haut rächt sofort den zugefügten Kälteschmerz mit Gänsehaut. Sekundenbruchteile später haben sich Temperatur von Hand und Bein bereits etwas angenähert.
Dann lege ich die Finger meiner anderen - noch kalten - Hand ebenso rasch wie behutsam auf meine Brust. Ich zucke erneut zusammen und halte unwillkürlich den Atem an. Ein Wimpernschlag später ragt meine Brustwarze steifgeworden keck heraus und mich fröstelt es am ganzen Körper.

Unterdessen ist die Wanne vollgelaufen. Ich drehe den Wasserhahn zu, setze mich an den Rand und lasse mich langsam hineingleiten. Das Wasser ist heiss. So heiss, dass es kurz schmerzt. Meine Poren öffnen sich sofort.
Entspannende, tiefe Ruhe breitet sich in mir aus, während ich wie in Zeitlupe eintauche. Ich tauche hinein bis zur Kinnspitze. Ich schnuppere intensiv den Vanilleduft meines Badewassers, während mein Blick dem Wasserdampf folgt, der wie schlängelnd zur Zimmerdecke emporsteigt. Ich höre, spüre und sehe knisternde, platzende kleine Schaumbläschen, deren Lebensdauer kaum zehn Atemzüge beträgt. Ich fühle meine weichen, warmen Hände auf meiner weichen, warmen Haut und tauche hinein in wohlige Schwerelosigkeit.
Ich tauche hinein in - mich.




 

21.11.12 19:12, kommentieren

dahingekritzelt

 
 
Worte
nicht zusammengefügt
nur so dahingekritzelt
bedeutungslos
im Meer der Wörter
unscheinbare Gestalt
und doch besonders
für jemanden, der l i e s t.
 
 

13.11.12 18:51, kommentieren

nix in dubio pro reo

 

Da war er wieder, dieser Traum.

Er drängt sich in verschiedenen Zeitabständen und Abwandlungen in meinen Schlaf, aber eines haben sie alle gemein:
Ich bin immer die Böse. Sie ist immer die Gute.

Dabei passieren zwar mir die Missgeschicke. Dass sich am Ende dabei meist herausstellt, es passierte durch ihr Versäumnis, nicht durch meines, interessiert dann nicht mehr.
Immer dann, wenn ich es erkannt habe, gibt es keine Möglichkeit mehr, dorthin zurückzukehren, wo ich es richtigstellen könnte.
Kurz vor dem Ziel wache ich immer auf.

 

(int. Ausweis, Nacht, fremde Stadt, Hund)

 

 

 

 

19.9.12 18:07, kommentieren

Grau und verhangen. Den Moment genießen.

 

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, weit draußen zu leben. Weit weg von allem was laut und schrill ist. Statt der unzähligen Handynutzer mit Schrei-Flatrate in überfüllten ICEs, lieber vor sich hin träumende Menschen im Pendelzug; statt zehntausend Quadratmeter SB-Supermarkt-Überangebot, lieber frische Milch vom kleinen Laden um die Ecke; statt Notfallpraxis in 20 km Entfernung, lieber den Doc von nebenan, der seine Patienten noch beim Namen kennt; statt Fastfoodhaus und Kindergeburtstagsséparée, besser frisch gekochte Saison-Leckereien, selbstgebackener Kuchen und Spiele im Freien.

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, weit draußen zu leben. Weit weg von allem was laut und schrill ist. Statt der unzähligen Handynutzer mit Schrei-Flatrate in überfüllten ICEs, lieber vor sich hin träumende Menschen im Pendelzug; statt zehntausend Quadratmeter SB-Supermarkt-Überangebot, lieber frische Milch vom kleinen Laden um die Ecke; statt Notfallpraxis in 20 km Entfernung, lieber den Doc von nebenan, der seine Patienten noch beim Namen kennt; statt Fastfoodhaus und Kindergeburtstagsséparée, besser frisch gekochte Saison-Leckereien, selbstgebackener Kuchen und Spiele im Freien.

Nein, nicht dass ich die Pommes von da nicht mögen würde, ich wollte auch nicht auf Strom, Internet oder Handy verzichten müssen, aber alles in Maßen, alles gemessen an seiner Notwendigkeit.
Heute früh hörte ich, wie jemand telefonierte: „Hier ist total mieses Wetter. Es ist arschkalt und es kübelt schon den ganzen Tag.“
Ich musste lachen, denn es war zwar recht frisch geworden und es nieselte auch ein wenig. Klar, der Himmel kleidete sich in einheitliches Grau, mit Sonne war kaum zu rechnen an diesem Tag, aber selbst diesem langweiligen Grau konnte ich Sympathie entgegenbringen.

Wie schön wäre das, jetzt an einem kleinen See zu sitzen. Die Nase in die feuchte Luft zu halten, den Wind im Gesicht zu fühlen und den Horizont hinter dichten Nebelschwaden zu erahnen.
Ich würde da still am Wasser sitzen und den Kreisen zuschauen, die die Regentropfen auf dem Wasser bilden, ich würde Hunden zuschauen, wie sie im See baden und ich würde schimpfen, wenn sie sich direkt neben mir schütteln, ihr Fell danach trocken wäre, meine Kleidung dafür nass. Ich würde das Bild genießen, wie sie um die Wette nach Stöckchen rennen und Mäuselöcher inspizieren. Ich würde dem leisen Rauschen des Regens lauschen, wenn er seine Melodie auf Blättern und Gräsern spielt. Ich würde zuschauen, wie sich in den Vertiefungen der Erde zuerst kleine, dann immer größere Pfützen bilden und wie vom Dach des kleinen Häuschens, dort direkt am See, kleine Rinnsale herunterlaufen. Die alten Dachziegel würden glänzen, als wären sie fabrikneu. Welche Schönheit, die nur bei Nässe erkennbar wird. Wie Steine am Meer, denke ich, auch sie bekommen ihre Lebendigkeit nur, wenn sie mit Wasser benetzt werden. Ziegen und Gänse würden Schutz suchen im provisorischen Schuppen und Katzen würden sich auf die Lauer legen nach den Vögeln in den Bäumen, die mit zunehmendem Regen schließlich verstummen. Dunkelrote Rosen würden ihre zarten Blütenblätter dem herbstlichen Wind als Opfer bringen und Sonnenblumen demütig ihren Kopf verneigen. Und ich, ich würde mich freuen auf knisterndes, duftendes Holz im Kamin, dessen Wärme mich später umgeben würde. Die Hunde würden sich auf ihren Decken schlafen legen und nur manchmal die Ohren bewegen um einem Geräusch zu folgen. Ich würde zuerst die Flammen, dann die Glut betrachten, einen Schluck Wein langsam im Mund zerfließen lassen und jeden einzelnen Geschmackspunkt wahrnehmen, bevor ich ihn genussvoll meine Kehle hinunterlaufen lasse. Ich würde plan- und ziellos meinen Gedanken Lauf lassen und dem Tag Zuneigung entgegenbringen. Diesem Tag, grau und verhangen. Den Moment genießen.

 

 

17.9.12 19:36, kommentieren

Hoppala

 

Immer wieder stolpere ich über meine eigenen Füße.

 

Ich wechselte die Schuhe. Ich nehme andere Wege. Ich achte auf mein Gehen.

Und trotzdem.

 

6.9.12 16:11, kommentieren

Lichtertanz

 

Als ich mein Gesicht der heißen Augustsonne zuwende und die Augen schließe, fühle ich noch intensiver, wie die heiße Mittagsonne auf meinen Wangen brennt. Dass ich mir einen wenig aparten Sonnenbrand auf der Nase einfangen werde, interessiert mich in diesem Moment nicht allzu sehr. Hinter meinen geschlossenen Augen beginnt das bunte Farben- und Lichtspiel, das ich liebe, seit ich es als Kind entdeckt hatte.
Schon damals liebte ich es, den Farben und Formen, die sich hinter meinen Lidern bildeten, zu folgen.

Je mehr ich die Augen zukneife, umso mehr verändert sich die Farbe. Wenn ich mich direkt der Sonne zuwende, zerschmilzt kräftiges Orangerot zu feuerroter Lava, die sich mit sonnenblumengelben Streifen vermischt. Zusammen verwandeln sie sich in tanzende Spiralen. Ein wenig erinnert es mich an den kakaohaltigen dunklen Teig, den ich mit einer Gabel immer spielerisch langsam in den hellen Kuchenteig einrühre, damit der Kuchen später fein marmoriert gemustert ist.
Fast scheint es, als würden diese gelborangeroten Farbwirbel sich immer wieder nähern und entfernen. Wenn ich den Kopf etwas von der Sonne weg drehe, verlieren die Farben sofort an Leuchtkraft. Die verschiedenen Muster verformen sich pausenlos, schwächen sich ab und verschwinden dann völlig, um anderen, neuen Mustern Platz zu machen.

Eine Weile gebe ich mich diesem Farbenspiel hin, während mich unzählige Grillen, die Männchen nur, -natürlich-, mit ihrem Gezirpe auf ihre Begattungsbereitschaft aufmerksam machen wollen.
Ganz schön laut dieser Lockgesang, denke ich. Vielfältige Natur – eine Art der Lebewesen ist vorher deutlich zu hören…, andere erst währenddessen… und bei Erfolg geht der Radau eigentlich erst später richtig los, sinniere ich schmunzelnd.

Ein leichter Lufthauch streichelt meine erhitzten Wangen, bestimmt bin ich schon krebsrot im Gesicht geworden, überlege ich. Plötzlich nehme ich leises Plätschern im Wasser wahr. Ich höre, wie sich kurz aufeinanderfolgende kleine Wellen vor mir brechen. Fast kann ich die kühlenden Wassertropfen auf meiner sonnengebräunten Haut fühlen, so, als würde ich meine Hände oder Füße ins erfrischende Wasser hineintauchen. Ich atme die heiße, nach Meer riechende Luft tief ein und träume den zahllosen Booten mit ihren leuchtendweißen Segeln hinterher.
Das Plätschern des Wassers wird lauter und irgendwo brechen sich nun die Wellen in noch kürzeren Abständen. Als sich das Rauschen des Wassers mit leisem monotonem Motorentuckern vermischt, – sicher ein Fischerboot mit fangfrischen Seefischen -, öffne ich verträumt die Augen.

Toktok toktok toktok toktok… mit meterhoch gestapelten Schrottteilen und zusammengepressten aufgetürmten Schrottautos passiert gerade vollbeladen ein Gütermotorschiff mit leisem Tuckern meine Lieblingsstelle am Fluss.

 

3.9.12 23:10, kommentieren

flüchtig

 


 

 

Lass uns den fliehenden Augenblick umarmen.

 

Spartacus: Vengeance, 2010

 

 


 

2.9.12 10:37, kommentieren